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Dienstag, 17. April 2018 09:34 Uhr

Bachstelzen und Co. in den Leinepoldern

Einbeck/northeim (r). Aus dem Siedlungsbereich ist vielen Menschen die Ba chstelze bekannt. In den Leinepoldern findet sie einen für sie idealen Lebensraum vor und trifft dort sogar manchmal auf nahe Verwandte. Denn außer ihr lassen sich in dem Schutzgebiet mitunter zwei weitere heimische Stelzenarten beobachten.

Wegen ihres schwarzweißen Gefieders und ihrer Statur ist die Bachstelze unverwechselbar. Zwischen 16,5 und 19 cm misst sie vom Schnabel bis zur Schwanzspitze. Ein großer Teil der Körperlänge entfällt dabei auf die Schwanzfedern. Der Körperbau ist schlank und die Beine sind vergleichsweise lang. Wer in den Leinepoldern klein e, schwarzweiße Vögel auf dem Boden umherlaufen sieht, hat es wahrscheinlich mit Bachstelzen zu tun.

Wackelndes Köpfchen und Schwanzwippen

Besonders gern halten sich Bachstelzen beispielsweise auf kurzrasigen Wiesen und an Gewässerufern auf. Sie suchen dort am Boden nach kleinen Insekten, die ihre Nahrung bilden. Schnecken fressen sie ebenfalls, und manchmal sogar kleine Fische. Beim Laufen setzen Bachstelzen einen Fuß vor den an deren. „Während sie sich laufend fortbewegen, wackeln Bachstelzen mit dem Schwanz auf und ab“, erklärt Thomas Spieker von den Naturscouts Leinetal e. V. „Einigen Experten zufolge werden Insekten durch die Bewegung aufgeschreckt und sind für die Vögel so leichter zu sehen.“ Wer genau hinschaut, der sieht noch etwas wackeln, wenn Bachstelzen laufen: ihren Kopf.

Kopfwackeln für bessere Sicht

Mit jedem Schritt, den Bachstelzen machen, bewegen sie ihren Kopf ruckartig ein Stück weit nach vorn. „Forscher gehen davon aus, dass dieses ruckartige Kopfwackeln beim schnellen Gehen dazu beiträgt, dass die Vögel ihre Umgebung besser im Blick behalten und Entfernungen exakter abschätzen können“, so Spieker. „Nehmen sie potenzielle Beute wahr, bremsen sie sofort ab und bewegen sich deutlich behutsamer, wobei der Kopf nicht mehr so stark wackelt“, erläutert der Naturscout.

Den am Boden laufenden Bachstelzen zu folgen, kann sehr verführerisch sein. Sie bei ihrer Fortbewegung aus der Nähe zu sehen, ist sicherlich interessant. „Dabei sollte aber in den Leinepoldern trotzdem unbedingt das Wegegebot beachtet werden“, so Spieker. Die Wege dürfen in dem Schutzgebiet nicht verlassen werden, auch nicht von den vierbeinigen Begleitern der Menschen. „Hunde sind anzuleinen, damit sie nicht in die Wiesen rennen und Wildtiere aufschrecken. Vor allem während der Zeit der Jungenaufzucht ist dies ausgesprochen wichtig“, betont Thomas Spieker.

Lange Brutsaison

Von April bis August dauert die Brutsaison der Bach stelzen; sie haben mindestens eine Brut, mitunter sogar zwei oder drei pro Jahr. Nach dem Schlüpfen wachsen die Jungen in rasantem Tempo heran und verlassen das Nest nach etwa zwei Wochen. Danach werden die noch unerfahrenen Jungvögel einige Tage von ihren Eltern weiterhin mit Nahrung versorgt. Junge Bachstelzen sehen ihren Eltern relativ ähnlich, haben aber ein erheblich kontrastärmeres Gefieder, das grau und weiß gefärbt ist.

Stelzenverwandtschaft

Mitunter lassen sich in den Leinepoldern gelbe Stel zen beobachten, darunter die Schafstelze. Sie hat auf der Körperoberseite bräunliche bis grünlichbraune Federn, an Brust und Bauch sind sie gelb. Der Kopf ist grau mit weißem Überaugenstreif. Bei den Männchen fällt das Gelb kräftiger aus als bei den Weibchen. Wie die Bachstelze hält sich auch die Schafstelze häufig am Boden auf und läuft dort umher, um Nahrung zu finden; sie frisst ebenfalls Insekten.

Mit der Gebirgsstelze kommt eine dritte Stelzenart mit Vorliebe für Insektenkost in den Leinepoldern vor. Sie sieht der Schafstelze recht ähnlich, ist jedoch während der Brutzeit daran zu erkennen, dass die Männchen eine schwarze Kehle haben. Außerdem sind die Federn auf der Oberseite des Körpers eher grau statt bräunlich. Gebirgsstelzen laufen wie die beiden anderen Stelzenarten vorzugsweise am Boden umher, wobei sie eine Vorliebe für Gewässerufer haben. Es lohnt sich also, bei einem Spaziergang ins Leinepolder-Schutzgebiet ein Fernglas mitzunehmen und den Boden nach Stelzen abzusuchen. Die Naturscouts Leinetal helfen auf geführten Wanderungen gern dabei, die kleinen Singvögel in der Landschaft aufzuspüren.

Mehr Informationen über die Natur in den Leinepoldern gibt es im Internet unter www.naturerlebnis-leinepolder.de. Bei Google Play g ibt es die Android-Version der kostenlosen Gebietsführer-App “Naturerlebnis Leinepolder” und im Apple-Store die entsprechende Version fürs iPhone. Sowohl öffentliche als auch von Gruppen zu buchende Führungen bietet der Naturscouts Leinetal e.V. an, er ist unter www.naturscouts-leinetal.de im Web zu finden. Informationen darüber, welche Vogel- und Säugetierarten in den Leinepoldern bereits beobachtet wurden, liefert www.naturgucker.de, das gemeinnützige Netzwerk für Tier-, Pflanzen- und Pilzbeobachtungen weltweit. Rund 44.000 Aktive sind engagiert, mehr als 8,7 Millionen Beobachtungen und über 1,1 Millionen Naturbilder wurden hier bislang veröffentlicht.

Foto: Bachstelze - Georg Wietschorke

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