Dassel (red). In dieser Woche hat bereits der Kreisausschuss des Landkreises Northeim eine Resolution gegen die geplante Zusammenlegung der Bereitschaftsdienstpraxen in Einbeck und Northeim beschlossen, ebenso der Rat der Stadt Einbeck.
Mittwochabend verabschiedete auch der Verwaltungsausschuss der Stadt Dassel eine entsprechende Resolution. Diese wird der Bürgermeister der Stadt Dassel, Sven Wolter, der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, dem Bundesgesundheitsministerium sowie den regionalen Bundes- und Landtagsabgeordneten zuzuleiten.
Bürgermeister Sven Wolter zu den Plänen der KVN
„Ich weise darauf hin, dass – von der äußerst kurzfristigen und nur unzureichend transparent kommunizierten Entscheidung durch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen ganz zu schweigen – nicht bloß reine Patientenzahlen der Praxis am Einbecker Bürgerspital betrachtet werden dürfen. Die Bereitschaftspraxis zählt zu einem Mindestmaß an Daseinsvorsorge in unseren ländlichen Städten und im Landkreis Northeim“, erklärt Sven Wolter in einer Stellungnahme.
„Die Wege zur künftig nächstgelegenen Praxis in Northeim sind insbesondere für nicht oder nur eingeschränkt mobile Einwohnerinnen und Einwohner schlicht zu lang. Aus Ortschaften am Rande des Sollings, etwa aus Sievershausen, beträgt die Fahrtzeit mit dem Pkw – sofern ein Fahrzeug überhaupt zur Verfügung steht. Selbst unter günstigen Verkehrsbedingungen über die B3 bereits 36 Minuten und nicht maximal 30 Minuten, wie die KVN argumentiert und behauptet. Einige Argumente der KVN sind damit bereits widerlegt und gehen schlicht an der täglichen Realität der Menschen in den Städten Dassel und Einbeck vorbei“, führt der Bürgermeister der Stadt Dassel weiter aus.
Resolution der Stadt Dassel
Vor diesem Hintergrund erklärt die Stadt Dassel, sie nehme mit großer Sorge zur Kenntnis, dass die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) angekündigt habe, die Bereitschaftsdienstpraxen im Bürgerspital Einbeck und im Helios Albert-Schweitzer-Krankenhaus Northeim bereits zum 1. Februar 2026 zusammenzulegen und den ärztlichen Bereitschaftsdienst künftig ausschließlich am Standort Northeim vorzuhalten.
Nach Darstellung der Stadt Dassel sei diese Entscheidung ohne vorherige Information oder Einbindung der Verwaltung des Landkreises Northeim, seiner politischen Gremien sowie der betroffenen Städte Dassel und Einbeck im Versorgungsbereich getroffen worden.
Bedeutung der wohnortnahen medizinischen Versorgung
Der Verwaltungsausschuss der Stadt Dassel stellt fest, dass die Sicherstellung einer wohnortnahen und gut erreichbaren medizinischen Versorgung, insbesondere außerhalb der regulären Sprechzeiten, ein zentraler Bestandteil der Daseinsvorsorge ist und für die Bevölkerung des Landkreises Northeim von großer Bedeutung bleibt.
Nach Auffassung des Verwaltungsausschusses würde die Schließung des Bereitschaftsdienststandortes Einbeck insbesondere für Bürgerinnen und Bürger im westlichen und nordwestlichen Kreisgebiet, hier vor allem für die Einwohnerinnen und Einwohner der Städte Dassel und Einbeck, zu deutlich längeren Anfahrtswegen führen. Damit würde sich die Erreichbarkeit der medizinischen Versorgung im Not- und Bereitschaftsdienst spürbar verschlechtern.
Befürchtete Folgen für Notfallversorgung und Rettungsdienst
Zudem geht der Verwaltungsausschuss davon aus, dass die angekündigte Schließung zwangsläufig zu längeren Wartezeiten und zu wachsender Unzufriedenheit in der Bevölkerung führen werde. Darüber hinaus bestehe ein erhöhtes Risiko, dass es infolge einer zu erwartenden stärkeren Überlastung der Notaufnahmen zu Verzögerungen bei der Behandlung von Akutfällen komme oder vermehrt der Rettungsdienst auch in sogenannten Bagatellfällen alarmiert werde. Dies könne weitere vermeidbare Schwierigkeiten in der medizinischen Versorgung nach sich ziehen.
In diesem Zusammenhang sieht der Verwaltungsausschuss die Gefahr, dass der Landkreis als Träger des Rettungsdienstes faktisch zum Ausfallbürgen werde, da der Kassenärztlichen Vereinigung obliegende Sicherstellungsauftrag nicht mehr ausreichend erfüllt werde. Die Stadt Dassel schließt sich daher ausdrücklich der ernsthaften Besorgnis des Landkreises Northeim an, dass sich sowohl die ambulante medizinische Versorgung als auch die Notfallversorgung weiter verschlechtern könnten.
Telemedizin nur mit leistungsfähiger Infrastruktur
Hinsichtlich der von der Kassenärztlichen Vereinigung angeführten Argumentation, die Versorgung durch eine stärkere Nutzung der Telemedizin zu verbessern, teilt der Verwaltungsausschuss der Stadt Dassel diese Position grundsätzlich. Gleichzeitig wird betont, dass telemedizinische Angebote zunächst tatsächlich verfügbar sein und leistungsfähig aufgebaut werden müssten, bevor es zu einer Reduzierung bestehender Angebote in der ambulanten Versorgung und im medizinischen Notfalldienst kommen könne.
Kritik an fehlender Einbindung der Kommunen
Kritisch bewertet der Verwaltungsausschuss zudem die fehlende frühzeitige Information und Beteiligung des Landkreises sowie der betroffenen Kommunen. Dieses Vorgehen widerspreche nach Auffassung der Stadt Dassel den Grundsätzen einer partnerschaftlichen und transparenten Zusammenarbeit zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung und den kommunalen Gebietskörperschaften.
Abschließend stellt der Verwaltungsausschuss fest, dass die geplante Entscheidung erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung, die Infrastruktur sowie auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung habe. Besonders betroffen seien nicht mobile und ältere Menschen. Eine derart weitreichende Entscheidung dürfe daher nicht einseitig und ohne regionale Abstimmung getroffen werden.
Forderungen und weitere Schritte
Der Verwaltungsausschuss der Stadt Dassel beschließt daher, gemeinsam mit dem Landkreis Northeim und den weiteren betroffenen Kommunen die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen aufzufordern, die geplante Zusammenlegung der Bereitschaftsdienstpraxen zum 1. Februar 2026 auszusetzen. Darüber hinaus fordert die Stadt Dassel die KVN nachdrücklich auf, unverzüglich in einen konstruktiven Dialog mit dem Landkreis Northeim, den betroffenen Städten und Gemeinden sowie den Krankenhausträgern einzutreten.
Ziel dieses Dialogs müsse es sein, tragfähige und regionale Lösungen zur Sicherstellung einer flächendeckenden und wohnortnahen ärztlichen Bereitschaftsversorgung im Landkreis Northeim zu entwickeln. Die Stadt Dassel spricht sich ausdrücklich für den Erhalt des Bereitschaftsdienststandortes Einbeck aus und erwartet, dass bei zukünftigen Strukturentscheidungen die besonderen regionalen Gegebenheiten des Landkreises Northeim angemessen berücksichtigt werden.