Northeim/Einbeck (red). Wo laufen die Fäden zusammen, wenn in Einbeck die Sirenen heulen oder ein medizinischer Notfall gemeldet wird? Um einen konkreten Einblick in die Arbeit vor Ort zu gewinnen, besuchten die Einbecker Grünen Joachim Nehring von der Kreistagsfraktion und Hannah Fleetwood, Vorstandssprecherin des Ortsverbandes Einbeck, die Einsatzleitstelle des Landkreises Northeim.
Im Gespräch mit dem Leiter der Leitstelle, Kai Reichelt, sowie Felix Gabriel vom Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises Northeim ging es nach Angaben der Partei auch um die Zukunftsfähigkeit der Leitstelle und die geplante Fusion mit den Leitstellen des Landkreises und der Stadt Göttingen.
Fusion zur Großleitstelle Südniedersachsen
Ein zentrales Thema des Besuchs sei die geplante Zusammenlegung mit der Leitstelle Göttingen zur „Großleitstelle Südniedersachsen“ gewesen. Während eine solche Fusion 2007 noch am Widerstand der Feuerwehren gescheitert sei, habe Kai Reichelt nun die fachliche Notwendigkeit betont.
Die aktuelle Struktur stoße an ihre Grenzen. Neue gesetzliche Anforderungen an Barrierefreiheit und digitale Kommunikation, etwa Textnotrufe, erforderten eine technische Infrastruktur, die im Alleingang kaum noch wirtschaftlich zu betreiben sei.
Ein mögliches Gegenargument, eine vermeintlich fehlende Ortskenntnis bei einer Fusion, wies der Leitstellenleiter zurück. „Bei einem Handy-Notruf wird der Standort heute automatisch übermittelt. Die Systeme sind so modern, dass die Sicherheit nicht mehr an der lokalen Straßenkenntnis des Disponenten hängt“, so Reichelt.
Sorge vor Mehrbelastung des Rettungsdienstes
Vor dem Hintergrund der jüngsten Schließung des hausärztlichen Bereitschaftsdienstes in Einbeck sei das Thema besonders sensibel. Die Bündelung dieser Dienste in Northeim sorge nach Darstellung der Grünen für Sorge in der Bevölkerung.
„Wenn die erste Anlaufstelle für Patienten in Einbeck wegbricht, droht eine Mehrbelastung für den Rettungsdienst, da viele nun die 112 wählen, auch wenn kein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt“, erklärte Hannah Fleetwood.
Hier knüpfe die Vision einer modernen „Gesundheitsleitstelle“ an. Durch die Bündelung von Fachwissen und Telemedizin in einer größeren Struktur könnten Disponentinnen und Disponenten Anrufende künftig präziser steuern. Zugleich solle die Sicherung der Strukturen für den Brand- und Katastrophenschutz weiterhin berücksichtigt werden, sodass Hilfe für echte Notfälle in Einbeck verfügbar bleibe.
Einfluss des Landkreises sichern
Für die Grünen sei entscheidend, dass der Landkreis Northeim bei einer möglichen Kooperation nicht an Einfluss verliere. Die geplante Rechtsform einer Anstalt öffentlichen Rechts könne aus Sicht der Partei eine Gleichberechtigung zwischen den Landkreisen Northeim, Göttingen und der Stadt Göttingen garantieren.
„Wir haben uns vor Ort ein Bild davon gemacht, dass die Experten hier eine Partnerschaft auf Augenhöhe anstreben, um das Rettungssystem resilienter aufzustellen“, sagte Joachim Nehring.
Der Besuch habe verdeutlicht, dass die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in Einbeck künftig von starken, vernetzten Strukturen abhängen werde. Die Grünen Einbeck nähmen die Einschätzung der Experten zur Zukunftsfähigkeit der Notfallversorgungsstrukturen sehr ernst. „Wir werden die gewonnenen Erkenntnisse nun intensiv in unserer Fraktion beraten“, so Nehring abschließend. Ziel bleibe es, eine Lösung zu unterstützen, die technische Modernisierung garantiere, ohne die lokale Identität und bewährte Krisenvorsorge – etwa die Notfallanlaufpunkte in den Einbecker Ortschaften – zu schwächen.
Foto: Grüne Ortsverband Einbeck