Einbeck (awin). Einbeck will Stadtmarketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung neu ordnen – doch die Reform hat ein Kostenproblem. In der Stadtratssitzung am 06. Mai wurde deutlich: Der politische Wille, die Kräfte künftig stärker zu bündeln, ist weiterhin vorhanden. Offen bleibt jedoch, wer die Mehrkosten von bis zu 300.000 Euro dauerhaft trägt.
Der Rat hatte im September 2025 grundsätzlich beschlossen, die bisherigen Strukturen unter einem Dach zusammenzuführen. Die neue GmbH soll eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Stadt Einbeck werden. Betroffen sind damit nicht nur Verwaltungsstrukturen, sondern auch die Frage, wie Einbeck künftig Gäste, Unternehmen, Veranstaltungen und die Innenstadtentwicklung besser vermarkten will.
Dirk Ebrecht (CDU) begründete den erneuten Beratungsbedarf damit, dass seit dem Grundsatzbeschluss nach außen „relativ wenig passiert“ sei. Der gesamte Rat und auch die Öffentlichkeit hätten Anspruch darauf, den aktuellen Sachstand direkt zu erfahren. Die steigenden Besucher- und Tourismuszahlen machten es notwendig, Strukturen und Angebote weiterzuentwickeln.
Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek erklärte, hinter den Kulissen sei in den vergangenen Monaten intensiv an Verträgen, Zuständigkeiten, Steuerfragen und der künftigen Struktur gearbeitet worden. Vorgesehen sind ein Aufsichtsrat, eine Geschäftsführung und vier inhaltliche Säulen: Marketing und Kommunikation, Touristeninformation, Kultur und Events sowie Standortmarketing. Spätestens zum 01.01.2027 soll die neue GmbH starten.
Finanzierung bleibt der zentrale Streitpunkt
An diesem Punkt beginnt die politische Debatte: Nach Angaben der Bürgermeisterin beträgt der finanzielle Mehrbedarf gegenüber dem bisherigen Stand bis zu 300.000 Euro. Die Wirtschaft gelte zwar als wichtiger Partner und bringe bereits heute erhebliche Beiträge ein. Zusätzliche dauerhafte Zuschüsse seien nach Darstellung der Verwaltung aber nicht zu erwarten. Damit müsste der städtische Haushalt den Mehrbedarf tragen.
Petra Bohnsack (GfE), Leiterin der Lenkungsgruppe, sieht das Projekt trotz Verzögerungen auf Kurs. Ein „Weiter so“ oder „zurück zum Ausgang“ sei keine Alternative. Ziel bleibe es, die Kräfte in Einbeck zu bündeln.
GfE und CDU betonten in der Debatte vor allem die strategische Bedeutung der neuen Struktur und die bereits bestehenden Beiträge der privaten Partner. Frank-Dieter Pfefferkorn (GfE) widersprach der Einschätzung, dass der Mehrbedarf allein auf die GmbH-Lösung zurückzuführen sei. Ein großer Teil der Kosten wäre aus seiner Sicht auch bei einer Eigenbetriebslösung entstanden. Ebrecht verwies darauf, dass Partner aus Unternehmen, Handel und Gewerbe bereits jetzt einen sechsstelligen Betrag einbrächten. Im Vordergrund stehe die Idee, gemeinsam etwas Neues für Einbeck zu schaffen.
Verwaltung und SPD mahnten dagegen eine dauerhaft tragfähige Finanzierung an. Die Stadtverwaltung bewertete die Kostenfrage anders als Pfefferkorn: Bei einem Eigenbetrieb wären nach ihrer Darstellung weder eine neue Geschäftsführung noch weitere Ausgaben etwa für kaufmännische Fragen und externe Beratung in dieser Form erforderlich gewesen. Michalek machte deutlich, dass Projektförderung allein nicht ausreiche. Andernfalls drohten spätere Nachschüsse oder im schlimmsten Fall finanzielle Risiken für die Gesellschaft.
Auch Marcus Seidel (SPD) kritisierte die aktuelle Lage. Er stellte die Frage, ob das, was die Wirtschaft bestelle, ausschließlich von der Kommune bezahlt werden müsse. Eine Stadtmarketing-Gesellschaft könne nur erfolgreich sein, wenn sie finanziell für mehrere Jahre abgesichert sei und von Rat, Wirtschaft und Stadtgesellschaft breit getragen werde.
Für Einbeck bedeutet das: Die neue Struktur ist politisch gewollt, doch vor dem Start muss belastbar geklärt werden, wer sie dauerhaft bezahlt.