Einbeck (red). Eine Exkursion mit energiepolitischem Schwerpunkt führte Mitglieder der Grünen Einbeck gemeinsam mit dem Grünen Landratskandidaten Jakob Reiter im Mai zum Pumpspeicherkraftwerk Erzhausen in Kreiensen. Das Kraftwerk wird vom norwegischen Energieunternehmen Statkraft betrieben und gilt nach Angaben der Grünen als wichtiger Baustein zur Stabilisierung des deutschen Stromnetzes.
Pumpspeicherkraftwerk seit 1964 in Betrieb
Das Grundprinzip des 1964 in Betrieb genommenen Kraftwerks ist einfach und wirkungsvoll: In Zeiten mit geringer Stromnachfrage wird Wasser aus dem Leinetal rund 300 Meter hinauf auf den Selter gepumpt. Bei hoher Stromnachfrage fließt es durch die Druckrohrleitungen zurück, treibt Turbinen an und stellt binnen 59 Sekunden 220 Megawatt Leistung im Netz bereit. Das Speichervermögen von bis zu 1.100 Megawattstunden reicht aus, um etwa vier Stunden auf Volllast zu laufen.
Durch die Anlage führten Holger Bartelt und Kevin Dembsky. Insgesamt sind 26 Mitarbeiter am Standort beschäftigt. Statkraft betreibt nach Angaben der Grünen weltweit mehr als 400 Kraftwerke, erzeugt 96 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen und ist seit 1999 in Deutschland aktiv.
Bedeutung für die Energiewende
Eine besondere Rolle nehmen Pumpspeicher im modernen Strommarkt ein. Wenn Wind und Sonne mehr Energie liefern, als gerade verbraucht wird, kann Erzhausen diesen Überschuss speichern. Das Wasser wird dafür in das obere Speicherbecken gepumpt. Steigt die Nachfrage wieder, fließt es zurück und erzeugt Strom für das Netz.
Der Grüne Landratskandidat Jakob Reiter und Kreistagsmitglied Achim Nehring erklärten zum strategischen Wert der Anlage: „Das Pumpspeicherkraftwerk ist weit mehr als ein lokaler Arbeitgeber – es ist ein zentraler Baustein der Energiesicherheit für ganz Norddeutschland. Für den Landkreis Northeim bedeutet diese Anlage Verantwortung und Chance zugleich: Verantwortung, die Rahmenbedingungen für solche Speichertechnologien politisch zu sichern, und Chance, als Region sichtbar zur Energiewende beizutragen."
Auch für Einbeck habe der Standort Gewicht, betonte Manfred Helmke von der Grünen Stadtratsfraktion: „26 Arbeitsplätze, Hightech im Leinetal und eine Anlage, die das Netz nach einem Blackout wieder starten kann – auf diesen Standort sollte Einbeck stolz sein."
Grüne sehen politische Verantwortung
Nach Einschätzung der Grünen wird die Fähigkeit, Strom flexibel zu speichern und bedarfsgerecht bereitzustellen, umso wichtiger, je mehr Strom aus Wind und Sonne ins Netz fließt. Zugleich stünden Betreiber von Pumpspeicherkraftwerken vor schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unklaren Vergütungsregeln und regulatorischen Belastungen. Aus Sicht der Grünen sei die Politik gefordert, verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen – auf kommunaler, Landes- und Bundesebene.
Hannah Fleetwood, Vorstandssprecherin der Grünen Einbeck, zog ein persönliches Fazit des Besuchstages: „Wir sind dankbar, dass das Team in Erzhausen so offen mit uns gesprochen hat – auch über die wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen solche Anlagen stehen. Diese Art ehrlichen Austauschs ist nötig für bessere Politik.“
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