Northeim (lpd). Gewalt gegen Kinder und Jugendliche geschieht häufig im Verborgenen – und sie ist weiter verbreitet, als viele vermuten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation erlebt mehr als die Hälfte aller Kinder weltweit Gewalt. Gleichzeitig spricht nur etwa jedes zweite betroffene Kind über seine Erfahrungen, weniger als zehn Prozent erhalten tatsächlich Hilfe. Zahlen wie diese machen deutlich, wie wichtig frühzeitige Prävention und niedrigschwellige Information sind.
Vor diesem Hintergrund hat die Gleichstellungsstelle des Landkreises Northeim das Präventionsprojekt „Stopp: Zusammen stark gegen Gewalt!“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig zu sensibilisieren, Wissen über Gewalt und grenzverletzendes Verhalten zu vermitteln und konkrete Unterstützungsangebote bekannt zu machen.
Wissen stärken, Hemmschwellen abbauen
Das pädagogische Konzept entwickelte die duale Studentin der Sozialen Arbeit, Frau Kegel, beim Landkreis Northeim. Im vergangenen sowie im laufenden Jahr setzte sie das Projekt erfolgreich um. Insgesamt zwölf Schulklassen der 6. und 7. Jahrgangsstufe an interessierten Schulen nahmen teil. Begleitet wurde sie von Kolleginnen der BISS-Stelle und der Frauenberatungsstelle.
In jeweils sechs Schulstunden pro Klasse setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit Kinderrechten, unterschiedlichen Formen von Gewalt, Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten sowie Gefahren in der digitalen Lebenswelt auseinander. Ein besonderer Schwerpunkt lag darauf, bestehende Hilfsangebote sichtbar zu machen, darunter die Familienberatungsstelle, das Jugendamt, die Gewaltberatungsstelle des Kinderschutzbundes und die Nummer gegen Kummer.
Ein besonderes Element war ein gemeinsamer Testanruf im Sekretariat der Familienberatungsstelle. Eine Schülerin oder ein Schüler rief stellvertretend an, während die Klasse zuhörte. So erhielten die Jugendlichen einen realistischen Eindruck davon, wie eine Anmeldung abläuft – niedrigschwellig und unterstützend – und mögliche Hemmschwellen konnten abgebaut werden.
Landrätin Astrid Klinkert-Kittel betont die Bedeutung des Projekts: „Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche wissen: Sie sind nicht allein, und es gibt Hilfe, wenn sie Gewalt erleben. ‚Stopp: Zusammen stark gegen Gewalt!‘ macht genau das möglich. Ich freue mich sehr, dass wir mit dem Projekt so viele junge Menschen im Landkreis Northeim erreichen konnten."
Das Fazit fällt positiv aus. Das Angebot stieß auf großes Interesse bei den Schülerinnen und Schülern. Viele nutzten den geschützten Rahmen, um eigene Erfahrungen zu teilen, und zeigten sich überrascht, wie vielfältig die Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten sind.
Mit „Stopp: Zusammen stark gegen Gewalt!“ leistet die Gleichstellungsstelle des Landkreises Northeim nach eigenen Angaben einen wichtigen Beitrag zur Stärkung junger Menschen – mit dem Ziel, Gewalt frühzeitig zu thematisieren, Handlungssicherheit zu vermitteln und Wege zur Hilfe sichtbar zu machen.
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