Vardeilsen (gs). Ein medizinischer Notfall tritt meist unerwartet auf und verändert das Leben schlagartig. Um Bürgerinnen und Bürger auf solche Situationen vorzubereiten, luden der Ortsrat Vardeilsen und das Netzwerk Pflege des Landkreises Northeim am Mittwoch zu einem Vortragsabend ins Dorfgemeinschaftshaus ein. Das erhebliche Interesse zeigte sich an einem bis auf den letzten Platz gefüllten Haus.
Gemeinsam für mehr Sicherheit im Alltag
Ortsbürgermeisterin Antje Sölter eröffnete die Veranstaltung und betonte die Bedeutung nachbarschaftlicher Hilfe. Gemeinsam mit Vanessa Hahmann-Meister vom Netzwerk Pflege begrüßte sie Sören Heitmann, den Ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes im Landkreis Northeim.
Heitmann vermittelte die Inhalte mit einer Mischung aus fachlicher Expertise und anschaulichen Beispielen aus der Praxis.
Ersthelfende als entscheidender Faktor
Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Zeit als entscheidender Faktor bei Notfällen. Während die gesetzliche Hilfsfrist für den Rettungsdienst bei 15 Minuten liegt, können bei einem Herzstillstand bereits nach drei bis fünf Minuten bleibende Hirnschäden entstehen.
„Die wichtigste Person in der Rettungskette sind Sie – der Ersthelfer vor Ort“, betonte Heitmann. Er erklärte grundlegende Maßnahmen der Ersten Hilfe („Prüfen – Rufen – Drücken“) und stellte den sogenannten FAST-Test vor, mit dem ein Schlaganfall schnell erkannt werden kann. Auch untypische Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen wurden thematisiert.
Vorsorge im eigenen Zuhause
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vorbereitung für den Ernstfall. Heitmann empfahl die Nutzung einer „Roten Mappe“, die gut sichtbar im Haushalt aufbewahrt werden sollte und wichtige Unterlagen wie Medikamentenpläne, Arztbriefe und Notfallkontakte enthält.
Zudem warnte er vor der sogenannten „tödlichen Trias“: Teppiche, Treppen und Trödel. Bereits kleine Anpassungen, wie Nachtlichter mit Bewegungsmeldern, könnten das Risiko von Stürzen deutlich reduzieren.
Beratung und rechtliche Absicherung
Neben medizinischen Aspekten wurde auch auf die Bedeutung von Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten hingewiesen. Vanessa Hahmann-Meister ergänzte, dass der Landkreis Northeim kostenlose Beratungsangebote bereitstellt, etwa zur Wohnraumanpassung oder zur Beantragung von Pflegegraden.
Austausch in geselliger Runde
Zum Abschluss lud der Ortsrat zu Bratwurst und Getränken ein. In lockerer Atmosphäre nutzten viele Anwesende die Gelegenheit, persönliche Fragen zu stellen und sich auszutauschen.
Mit neuem Wissen und gestärktem Sicherheitsgefühl gingen die Teilnehmenden nach Hause.
Checkliste für den Notfall
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112 wählen: Bei Atemnot, Brustschmerzen oder Schlaganfallverdacht
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FAST-Test: Gesicht, Arme, Sprache prüfen – Zeit ist entscheidend
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Dokumente bereithalten: Medikamentenplan und Vorsorgevollmacht griffbereit halten
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Prävention: Stolperfallen wie Teppiche oder herumliegende Gegenstände vermeiden

Fotos: Gerd Stahnke