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Mittwoch, 10. Juni 2026 Mediadaten wsr.tv
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Dassel (red). Wie wurde Wissen verbreitet, bevor es Computer, Smartphones und Drucker gab? Und warum hat die Erfindung des Buchdrucks die Welt verändert? Diesen Fragen gingen Schülerinnen und Schüler der Paul-Gerhardt-Schule Dassel bei einem praxisorientierten Workshop der Druckerbande nach. Die Klassen 5c und 5a erlebten die Druckerbande dabei als außerschulischen Lernort, an dem Geschichte, Handwerk und Medienbildung unmittelbar erfahrbar wurden.

Schreiben mit Feder und Tinte

Zu Beginn knüpfte die Gruppe an bereits erworbenes Wissen aus dem Stadtmuseum an. Gemeinsam wurde erinnert, womit früher geschrieben wurde, wie sich das Schreiben mit Feder und Tinte anfühlte und welche Schwierigkeiten damit verbunden waren. Schnell wurde deutlich, wie viel Geduld und Konzentration nötig waren, um Texte von Hand anzufertigen.

Als einige Schülerinnen und Schüler ein Wort mit Feder und Tinte schrieben, beobachtete die Gruppe mit einer altertümlichen Sanduhr aufmerksam den Vorgang. Das Schreiben war langsam und durch zu viel Tinte ungleichmäßig. Die Vorstellung, auf diese Weise ein ganzes Buch zu verfassen, sorgte für Staunen.

Schrift wurde nicht mehr geschrieben, sondern gesetzt

An dieser Stelle wurde der entscheidende Gedanke der Druckgeschichte greifbar: Johannes Gutenberg schrieb Schrift nicht mehr, er baute sie und entwickelte ein System des Kopierens. Die Schülerinnen und Schüler lernten den grundlegenden Unterschied zwischen Schreiben und Setzen kennen. Während Handschrift individuell, fließend und einmalig entsteht, wird Schrift beim Setzen aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt und kann beliebig oft reproduziert werden. Anhand von Holzbuchstaben konnten die Kinder erleben, wie aus einzelnen Buchstaben Wörter entstehen.

Besonders spannend wurde es bei den praktischen Übungen. In kleinen Gruppen setzten die Kinder einfache Wörter. Dabei zeigte sich schnell, dass das Finden der richtigen Buchstaben Konzentration und Teamgeist verlangt. „Es war echt anstrengend beim Buchstabensetzen, weil man ja spiegeln musste.“ so eine Schülerin. Für herzliches Lachen in der Runde sorgte unter anderem das Wort „esaN“, das korrekt gespiegelt „Nase“ ergeben hätte und schnell zum Wort des Tages gekürt wurde.

Gemeinsam wurde gesetzt, kontrolliert und gedruckt. Fehler mussten entdeckt und korrigiert werden – ganz wie in einer historischen Druckerei. Dabei waren Kommunikation und Genauigkeit gefragt. Projektleiterin Patricia Magdalene Keil-Kattowitz hatte speziell für den Besuch der Schülergruppen einen handlichen Druckerballen à la Gutenberg vorbereitet: ein mit Wolle gefülltes Rundleder, das gut in Kinderhänden lag und mit dem die Druckerfarbe aufgenommen und auf die Letter aufgebracht werden konnte. „Das drumrumbauen, damit das Wort im Setzrahmen nicht wackelt beim Drucken, hat auch ganz schön lange gedauert.“ so der Druckerlehrling Ben. Am Ende hielten alle Gruppen stolz ihre selbst gesetzten und gedruckten Karten in den Händen.

Buchdruck als Revolution der Wissensvermittlung

Neben den handwerklichen Erfahrungen stand auch die gesellschaftliche Bedeutung der Schrift im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler diskutierten, wie sich die Welt veränderte, als Bücher plötzlich in großer Zahl hergestellt werden konnten. Mehr Bücher bedeuteten mehr Wissen, mehr Bildung und neue Möglichkeiten, Ideen zu verbreiten. Gemeinsam wurde der Vergleich gezogen, dass der Buchdruck für die Menschen des 15. Jahrhunderts ähnlich revolutionär war wie das Internet für die heutige Gesellschaft. Auch das Hinterfragen der Informationsgebenden und Wissensquellen wurde eingebracht.

Zum Abschluss schlug die Druckerbande die Brücke zur Gegenwart. Die Kinder verglichen das Schreiben mit Feder und Tinte, das Setzen von Schrift und das Tippen auf einer Tastatur. Dabei wurde deutlich, wie sehr sich die Werkzeuge verändert haben und wie wichtig Schrift als Grundlage von Kommunikation geblieben ist.

Der Workshop verfolgte das Ziel, die Entwicklung von der Handschrift über den Buchdruck bis zur digitalen Schriftkultur verständlich und erlebbar zu machen. Durch eigenes Ausprobieren konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur historische Drucktechniken kennenlernen, sondern auch erfahren, wie eng Schrift, Handwerk, Kreativität und gesellschaftlicher Wandel miteinander verbunden sind.

Die Druckerbande versteht sich als Vermittlerin des immateriellen Kulturerbes Druckkunst und, dank Annett Schulze, Lehrerin an der Paul-Gerhardt-Schule Dassel, auch als außerschulischer Lernort. Der Besuch zeigte eindrucksvoll, wie historische Kulturtechniken auch heute noch faszinieren und junge Menschen dazu anregen können, die Geschichte der Medien und Kommunikation mit allen Sinnen zu entdecken.

„Ich freue mich, dass die Druckerbande mit den unterschiedlichen Angeboten wahrgenommen und genutzt wird. Die besondere und ungezwungene Atmosphäre in der historischen Werkstatt vermittelt auch schon ein gewisses Flair.“ so Patricia Keil-Kattowitz.

Gefördert wurde das Projekt von der ZuJuk Stiftung. Mehr zur Druckerbande gibt es online unter www.druckerviertel.de.

Foto: Keil

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