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Donnerstag, 18. Juni 2026 Mediadaten wsr.tv
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**BU:** Dr. Heinz-Oskar Petzold prägte die Anfangsjahre der Paul-Gerhardt-Schule entscheidend. Mit großem persönlichem Einsatz und Beharrlichkeit legte er den Grundstein für die Entwicklung der Schule von einer improvisierten Nachkriegseinrichtung zu einem anerkannten Gymnasium.

Dassel (red). Als im Sommer 1946 die ersten Schülerinnen und Schüler im Konfirmandenzimmer des Dasseler Pastorats Platz nahmen, ahnte niemand, dass daraus einmal eine der bedeutendsten evangelischen Schulen Südniedersachsens entstehen würde. In diesem Sommer feiert die Paul-Gerhardt-Schule (PGS) ihr 80-jähriges Bestehen.

Schule entstand in schwieriger Nachkriegszeit

Die Anfänge lagen in der schwierigen Nachkriegszeit. Durch Flüchtlinge und Vertriebene war die Einwohnerzahl Dassels stark gewachsen. Viele Eltern waren überzeugt: Man kann alles verlieren, aber nicht die Bildung. Als 30 Dasseler Kinder trotz bestandener Aufnahmeprüfung wegen Platzmangels nicht ins Goethe-Gymnasium Einbeck aufgenommen wurden, organisierten engagierte Eltern gemeinsam mit Pastor Friedrich Frese kurzerhand eine eigene höhere Schule.

Mit Dr. Heinz-Oskar Petzold fanden sie einen Lehrer, der zunächst fast alle Fächer allein unterrichtete. Die Bedingungen waren bescheiden: Schulbänke wurden vom örtlichen Tischler gebaut, geheizt wurde mit Holz von den Höfen der Familien. Viele Kinder kamen nach langen Fußmärschen aus den umliegenden Dörfern zum Unterricht. Schulbücher fehlten, geschrieben wurde oft auf Papierfetzen und Zeitungsrändern.

Durchbruch gelang im Jahr 1951

Dennoch entwickelte sich die Schule rasch. Schon bald mussten weitere Klassen eingerichtet werden. Immer wieder geriet die junge Schule jedoch unter Druck. Schulbehörden wollten sie schließen, Fördermittel blieben aus und die Raumnot wurde immer größer. Doch Dr. Petzold hielt unbeirrt an seiner Vision einer evangelisch geprägten höheren Schule in Dassel fest.

Der entscheidende Durchbruch gelang 1951. Das Kultusministerium genehmigte die Weiterführung der Schule und stellte erstmals finanzielle Mittel bereit. Dadurch konnte das Gelände der ehemaligen RUWO-Werke an der Ilme genutzt werden, auf dem sich die Schule bis heute befindet. Es folgte eine Zeit intensiven Aufbaus: Fabrikgebäude wurden zu Klassenräumen umgestaltet, neue Schul- und Internatsgebäude errichtet.

Vom Provisorium zum Gymnasium

Mit dem Hauptgebäude und seinem Glockenturm erhielt die PGS 1955 ihr bis heute prägendes Wahrzeichen. 1957 legten die ersten Schülerinnen und Schüler ihr Abitur ab. Aus der improvisierten Nachkriegsschule war ein anerkanntes Gymnasium geworden.

Maßgeblichen Anteil daran hatte Dr. Heinz-Oskar Petzold, dessen Beharrlichkeit und persönlicher Einsatz die Grundlage für die weitere Entwicklung der Schule schufen.

Heute präsentiert sich die Paul-Gerhardt-Schule als modernes Gymnasium in Trägerschaft der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Rund 700 Schülerinnen und Schüler lernen auf dem weitläufigen Campus an der Ilme.

Moderne Schule mit christlicher Prägung

Die Schule verbindet ihre christliche Tradition mit einem zeitgemäßen Bildungsangebot, das naturwissenschaftliche, sprachliche, musische und sportliche Schwerpunkte ebenso umfasst wie digitale Bildung, internationale Begegnungen und zahlreiche außerunterrichtliche Aktivitäten.

Der Blick auf die vergangenen acht Jahrzehnte zeigt eindrucksvoll, welchen Weg die PGS zurückgelegt hat: vom ungeheizten Konfirmandenzimmer mit selbstgebauten Schulbänken zu einer modernen Bildungseinrichtung mit Ausstrahlung weit über die Region hinaus. Die Geschichte der Schule ist damit zugleich eine Geschichte von Mut, Beharrlichkeit und dem festen Glauben an die Kraft von Bildung.

Feierlichkeiten Ende Juni

Das 80-jährige Jubiläum wird Ende Juni mit mehreren Veranstaltungen gefeiert. Am 29. Juni beteiligt sich die PGS mit einem Aktionstag an der bundesweiten Initiative „Zusammenhalt in Vielfalt“, die sich für Respekt, demokratische Werte und ein gelingendes Miteinander in einer pluralen Gesellschaft einsetzt.

Grundlage sind die 15 Thesen der Initiative Kulturelle Integration, deren Leitgedanke lautet: „Kulturelle Vielfalt ist eine Stärke.“

Begleitet wird das Jubiläum von zwei Aufführungen des Chorwerks „Adiemus“ von Karl Jenkins. Den Höhepunkt bildet am 30. Juni ein feierlicher Gottesdienst mit anschließendem Festakt, bei dem die Schulgemeinschaft gemeinsam auf acht Jahrzehnte Paul-Gerhardt-Schule zurückblickt.

Gleichzeitig wird Matthias Kleiner von seinem Amt als Schulleiter entpflichtet. Die designierte Nachfolgerin ist Wibke Gatsios.

Fotos: PGS Dassel

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