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Sonntag, 05. Juli 2026 Mediadaten wsr.tv
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Greene (red). Mit einer gut besuchten Informationsveranstaltung im „Landhaus Greene“ ist am Donnerstagabend offiziell das Projekt „DorfUniversität“ gestartet. Rund 170 Einwohnerinnen und Einwohner waren der Einladung des Ortsrats und des Projektteams der „HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst“ gefolgt, um sich über das neue Vorhaben zu informieren. Ziel ist es, Greene in den kommenden Jahren zu einem Modelldorf für dörfliche Wissensvermittlung zu entwickeln.

Vorgestellt wurde das Projekt von Dr. Swantje Eigner-Thiel und Britta Kreuzer. Gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrich Harteisen und der Projektgruppe Dorfforschung an der Fakultät Ressourcenmanagement der HAWK Göttingen arbeiten sie an der Umsetzung der DorfUniversität. Das Forschungsprojekt trägt den offiziellen Titel „Die Rolle von Bildung für die Zukunftsfähigkeit von Dörfern – DorfUni“ und läuft von Juli 2025 bis Juni 2028. Es ist Teil des übergeordneten Vorhabens „Vision 2050: A Quarter Century of Innovation for Health, Green Tech and Education“.

Greene wurde im April 2026 gemeinsam mit dem Dorf Brüggen im Landkreis Hildesheim als eines von zwei Modelldörfern für das Forschungsprojekt ausgewählt.

Dörfer als Wissenspool

Kernidee der DorfUniversität ist es, Dörfer als „Wissenspool“ zu verstehen. Die Bewohnerinnen und Bewohner gelten dabei selbst als Expertinnen und Experten für unterschiedlichste Bereiche – von traditionellem Handwerk über Ortsgeschichte und Umweltwissen bis hin zu Rezepten, Bräuchen oder Erfahrungen im gesellschaftlichen Miteinander. Dieses oftmals verborgene Wissen soll sichtbar gemacht, bewahrt und innerhalb des Dorfes weitergegeben werden.

Als Beispiele möglicher Bildungsangebote nannten die Projektverantwortlichen unter anderem Kurse zum Binden von Erntekronen, zur Technik des Greener Wehrs an der Leine, zu Wärmepumpen und Heizungsfragen, zu dynamischen Stromtarifen sowie zum Thema Künstliche Intelligenz.

Hintergrund des Projekts sind die Herausforderungen, vor denen viele Dörfer stehen: eine älter und zugleich vielfältiger werdende Bevölkerung, der Rückgang von Infrastruktur und Treffpunkten sowie die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. Die DorfUniversität soll dazu beitragen, die Resilienz der Dorfgemeinschaft durch Bildung zu stärken.

Erste praktische Umsetzung

Dass das Projekt nicht nur theoretisch bleiben soll, zeigte sich bereits am Tag nach der Auftaktveranstaltung. Freiwillige trafen sich auf einem Getreidefeld bei Greene, um die ersten Ähren für eine Erntekrone zu schneiden. Mit Gartenscheren wurden die Halme geerntet, zu Garben gebunden und anschließend zum Trocknen aufgehängt. Die Bündel bilden die Grundlage für die traditionelle Bindetechnik, mit der im weiteren Verlauf des Sommers die Erntekrone entstehen soll.

Kartenaktion liefert zahlreiche Ideen

Bereits im Juni war eine Kartenaktion an alle Haushalte in Greene verteilt worden. Die Bewohnerinnen und Bewohner konnten die Sätze „Greene hat für mich Zukunft, weil …“ und „Greene hat für mich Zukunft, wenn …“ vervollständigen.

Insgesamt gingen 67 Karten sowie rund 25 digitale Rückmeldungen ein. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 53 Jahren, die durchschnittliche Wohndauer im Ort bei 35 Jahren.

Als größte Stärke des Dorfes wurde am häufigsten die vorhandene Infrastruktur genannt, gefolgt vom Vereinswesen und der Dorfgemeinschaft. Besonders hervorgehoben wurden Bildungseinrichtungen wie Schule und Kindertagesstätte sowie Treffpunkte wie Park, Spielplatz und Gaststätten.

Bei den Zukunftswünschen standen der Erhalt und Ausbau der Infrastruktur an erster Stelle. Darüber hinaus wünschten sich die Teilnehmenden mehr Veranstaltungen, eine bessere Verkehrsanbindung sowie eine weitere Stärkung der Dorfgemeinschaft.

Aus den Rückmeldungen entstanden bereits zahlreiche Ideen für Bildungsangebote. Genannt wurden unter anderem eine Gästeführerausbildung für Dorfrundgänge mit der Burg, Yoga-Angebote auf der Burg, Sportangebote und Vogelstimmenführungen im Amtspark sowie Kurse zu Gartenpflege, Gemüseanbau und Einmachen. Auch ein Erzählcafé zur Förderung des Zusammenhalts wurde vorgeschlagen.

Ortsbürgermeister Frank-Dieter Pfefferkorn zeigte sich von den Ergebnissen beeindruckt: „Es ist beeindruckend, wie unsere Bürger unseren Flecken Greene aus ihren Augen sehen. Auf das, was wir in Greene haben, darf man als Bürger ruhig mal stolz sein.“

So geht es weiter

Der nächste Schritt folgt am Mittwoch, 8. Juli 2026, um 18.30 Uhr mit einem Workshop zum sogenannten Dorfanalyseschema. Dabei sollen die Stärken und Schwächen des Dorfes in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemeinsam erarbeitet werden.

Im Sommer ist außerdem eine Fragebogenerhebung zu konkreten Bildungsangeboten geplant. Bei einer weiteren Dorfversammlung im September 2026 sollen ein Koordinationsteam gebildet sowie erste Bildungsangebote und Interessierte zusammengeführt werden. Damit soll die DorfUniversität offiziell ihre Arbeit aufnehmen.

Ab Herbst 2026 ist die Vermittlung verschiedener Methoden an interessierte Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner vorgesehen. Für das Jahr 2027 ist eine wissenschaftliche Begleitforschung mit Befragungen der Teilnehmenden sowie die Vernetzung mit weiteren DorfUni-Dörfern geplant. Im Jahr 2028 sollen die gesammelten Wissens- und Methodenschätze dokumentiert werden – auch unter Einsatz Künstlicher Intelligenz.

Bereits im Anschluss an die Auftaktveranstaltung konnten sich Interessierte mit eigenen Kursideen oder für die Mitarbeit im Koordinationsteam in Listen eintragen.

Das Projektteam zog zum Abschluss ein positives Fazit. Greene verfüge über eine starke Dorfgemeinschaft, besondere Gebäude und Plätze, zahlreiche Ideen für die Weiterentwicklung des Ortes sowie eine hohe Offenheit gegenüber neuen Bildungsangeboten für Jung und Alt.

Fotos: Marko de Klein

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