Dienstag, 13. August 2019 11:00 Uhr

Ziemlich beste Freunde lassen fegen

Amelsen (gs). Wer 30 wird und noch nicht verheiratet ist, der muss die Treppe fegen – so will es die Tradition und die besten Freunde von Amelsens stellvertretenden Bürgermeister Dominik Traupe, der genau vor 30 Jahren am 11. August 1989 das Licht der Welt erblickte. Der Brauch des Teppenfegens ist traditionell so ausgelegt, dass ein Mann, der an seinem 30. Geburtstag noch unverheiratet und nicht offiziell verlobt ist, so lange die Treppe fegen muss, bis eine Jungfrau sich erbarmt und das Geburtstagskind "frei" küsst. Das Ereignis wird meistens vom Freundeskreis geplant. Dafür wird im Geheimen ein Termin ausgemacht, an dem das Geburtstagskind abgeholt und zu einer öffentlichen Treppe gebracht wird. Da es in Amelsen bekannterweise kein Rathaus gibt, musste kurzfristig die Treppe zum Kirchvorplatz herhalten. Als erstes wird das Geburtstagskind verkleidet. Dafür bringen die Freunde meist ein lustiges und besonders auffälliges Kostüm mit, in diesem speziellen Fall war es ein grellgelbes Kükenkostüm, in dem das Geburtstagskind eine durchaus gute Figur machte. Um 13:15 Uhr war es dann so weit, das "Küken" kam mit seiner Gefolgschaft, seinen besten Freunden, zum Ort des Geschehens, wo schon ca. 60 "Eingeweihte" in erwartungsvoller Haltung warteten.

Im Normalfall wird das Geburtstagskind unter einen Vorwand zur Treppe gelockt, aber durch eine Panne im Social Media Web erhielt das Geburtstagskind schon vorher Kenntnis von der Maßnahme, verriet Vater Hartmut Traupe. Hunderte von Kronkorken waren schon vorab auf der zu fegenden Treppe verteilt worden. Dann muss traditionsgemäß mit dem Fegenden angestoßen werden. Die Treppe wird dann im Beisein des Freundes- und Verwandtenkreises gefegt. Damit die Sache nicht zu einfach wird, fing das Geburtstagskind mit einem Q-Tip an und konnte sich dann anschließend durch verschiedene Aufgaben oder richtig beantwortete Fragen einen "besseren Gegenstand" zum Fegen erspielen. Zwischendurch wird immer wieder mit dem Fegenden angestoßen. Die bereits zusammen gefegten Kronkorken wurden immer wieder mit viel Spaß von den anwesenden Kindern auf der Treppe verteilt, damit das Schauspiel auch möglichst lange andauert. Zwischendurch hatten die besten Freunde ein Einsehen und ließen es geschehen, das die Treppe mithilfe der Kinder frei gefegt wurde. Aber wer jetzt dachte, das Fegen sei beendet, sah sich getäuscht, denn die besten Freunde "zauberten" einen weiteren prall gefüllten Pappkarton mit Kronkorken "aus dem Hut", den die Kinder anschließend genüsslich über die Treppe verteilten. Das nächste Kehrgerät steigerte sich, es war ein Pfeifenreiniger. Nachdem die nächste Stufe von den Kronkorken befreit war, kam ein technisches Hightech-Kehrgerät zum Einsatz, nämlich ein Besen, dessen Stiel mit fünf beweglichen Gelenken verbunden war, womit ein koordiniertes Fegen schier unmöglich war. Nach längeren verzweifelten Bemühungen die Treppe mit dem Hightech-Besen von den noch verbliebenen Kronkorken zu befreien, hatten die besten Freunde ein Einsehen mit dem unverheirateten Dreißigjährigen und ließen diesem mit einem handelsüblichen Besen sein Werk vollenden.

Fotos: gs

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