Montag, 07. Oktober 2019 08:45 Uhr

„Ost trifft West“ - Eine Automobilzeitreise im PS.Depot Lkw+Bus 30 Jahre nach der Maueröffnung

Einbeck (gs). Als letztes Event in diesem Jahr fand im PS.Depot Lkw + Bus am 5. Oktober 2019 unter dem Motto „Ost trifft West“ ein Treffen aller Fahrzeuge statt, die das Straßenbild im geteilten Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten prägten. Egal ob Trabant oder Käfer, IFA oder Krupp, Schwalbe oder Zündapp, Barkas oder VW Bulli, es waren alle Fahrzeuge beider damaliger deutscher Staaten bis Baujahr 1989 vertreten. Weit über 100 Fahrzeuge präsentierten sich auf dem weitläufigen Außengelände des Otto Hahn Parks. Einige Clubs nutzten die Veranstaltung zugleich als Ziel für eine letzte Herbstausfahrt, beispielsweise die IFA Schrauber Erfurt. Ein kleines Rahmenprogramm in der großen Halle des Depots rundete die Veranstaltung ab.

Um 11 Uhr und um 15 Uhr präsentierte der Autor Björn Herrmann sein neues Buch "Westimportfahrzeuge in der DDR", ein Gemeinschaftswerk mit Dr. Rolf Mahlke vom Magazin 79oktan. Das Buch erzählt anhand von DDR-Akten die spannenden Hintergründe der offiziellen PKW-Importe und enthüllt die zentrale Rolle des geheimnisvollen Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski und seiner Kommerziellen Koordinierung im Ost-West-Fahrzeughandel und zeichnet mit größtenteils nie gezeigtem Fotomaterial die gesamte Geschichte der West-Autos in der DDR nach. Unglaubliche Geschichten – von Walter Ulbrichts Buick bis zum Sieg in der DDR-Rallyemeisterschaft durch einen tapferen VW-Käfer-Fahrer. Im Straßenbild der DDR bildeten Importfahrzeuge aus dem Westen viel beachtete Farbtupfer. VW Golf, Mazda 323 und Citroën GSA wurden um 1980 in größeren Stückzahlen eingeführt, Volvo produzierte für die DDR nicht nur das Sondermodell 244 DLS, sondern auch verlängerte Limousinen verschiedener Baureihen für die Staatsführung. Erich Honecker standen neben gepanzerten Staatskarossen vom Typ Citroën CX auch exotische japanische Limousinen und aufwändig umgebaute Jagd- und Geländewagen westlicher Luxushersteller zur Verfügung. Über ihre Amerikareise in einem Wartburg W 311 Camping berichteten um 13 Uhr Jörg Tissat und Frank Lucas. Von Juni bis August 2018 waren die beiden Referenten mit Ihrem Fahrzeug „Willy“ in Nordamerika unterwegs: 7.456 Meilen mit drei Zylindern, zwei Takten und 45PS. Mit "Willy" eroberten die beiden von Juni - August 2018, die Route66 und andere Highways der USA. Der große Trip begann von NEW YORK nach Potsdam (USA), Chicago, weiter nach Westen und dann mal anders rum und von LA wieder zurück nach Hause. Einige Zwischenziele waren das Wartburg College in Waverly, die beiden Ortschaften Namens Wartburg, Zettler´s Route66 Store, das Wendemuseum in LA und ein Treffen mit dem Wartburg Sammler Victor. Nach der langen Reise findet der Wartburg nun eine neue Heimat in der Sammlung des PS.SPEICHER.

Als weitere Highlights konnten auf dem Freigelände zwei außergewöhnliche Fahrzeuge aus "DDR Produktion" besichtigt werden, zum einen der Melkus RS 1000, ein Sportwagen auf der Basis des Wartburg 353, der unter Leitung des Dredner Rennfahrers Heinz Melkus als zweisitziges Sportcoupee entwickelt wurde, von 1969 bis 1973 wurden 101 Exemplare gebaut, der Name „RS“ steht für Rennsportwagen und zum anderen das "Rovomobil", ein strömungsoptimiertes Gefährt, das Eberhardt Scharnowski und Klaus Arndt ab Mitte der 1970er-Jahre in der DDR auf Käfer-Basis aufbauten. Basis war zunächst ein 1949er-Käfer-Fahrgestell mit luftgekühltem Boxermotor. Darauf gestülpt wurde eine aerodynamisch geformte Coupé-Karosserie aus Glasfaserverstärktem Kunststoff, für deren Ausformung ein Holz-/Schaumstoff-Spantenmodell angefertigt worden war. Anbauteile wie Scheiben, Leuchten und Scharniere stammten von Trabant und Wartburg. Den damals für viele Jahre sensationellen Luftwiderstandsbeiwert von cW = 0,23 ermittelten die Techniker mangels Windkanal mit Hilfe aufgeklebter Wollfäden, die bei genau definierten Geschwindigkeiten einen exakten, gleichmäßigen Verlauf aufweisen mussten. Das PS.Depot Lkw+Bus im Otto Hahn Park (Otto-Hahn-Straße 3-5) mit seinen über 300 Nutzfahrzeugen, bestehend aus Lastkraftwagen, großen und kleinen Bussen, Baumaschinen und Motoren aus fast 100 Jahren Nutzfahrzeuggeschichte, kann noch bis zum 02.11.2019 jeden Samstag in der Zeit von 10:00 bis 18:00 Uhr besucht werden.

 

Fotos: Gerd Stahnke

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