Northeim (awin). Nicht der Schutz der Tiere stand im Kreistag Northeim am 17. April im Streit, sondern die Frage, wer die Folgen wachsender Gänsebestände trägt. Einstimmig beauftragte das Gremium die Landrätin, sich beim Land Niedersachsen dafür einzusetzen, das EU-Vogelschutzgebiet V08 „Leinepolder“ in die Förderkulisse der Billigkeitsrichtlinie „Nordische Gastvögel“ aufzunehmen. Zusätzlich soll geprüft werden, ob auch angrenzende Flächen berücksichtigt werden können.
Auslöser war ein Antrag der Kreistagsgruppe CDU/FDP/Die Unabhängigen, der bereits am 13. März in den Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz überwiesen worden war. Im Mittelpunkt steht die Belastung landwirtschaftlicher Flächen durch stark gewachsene Gänsepopulationen.
Schäden auf Feldern rücken in den Fokus
CDU-Kreistagsabgeordneter Dirk Ebrecht beschrieb die Entwicklung als deutlich sichtbar. „Vor 30 Jahren gab es bei uns im Landkreis kaum eine Gans. Heute sind es hunderte, zu bestimmten Jahreszeiten sogar tausende Gänse.“ Besonders betroffen seien Flächen, auf denen die Tiere nicht nur rasteten, sondern dauerhaft fraßen. Als Beispiel nannte er Hollenstedt rund um die „Geschiebesperre“. Dort seien auf Acker- und Grünland regelmäßig hunderte Gänse zu sehen.
Nach seinen Worten entstünden dadurch erhebliche Fress-, Tritt- und Verschmutzungsschäden. Dass diese Verluste bislang nicht ausgeglichen würden, sei für die betroffenen Landwirte ein zentrales Problem. Zwar unterlägen Gänse dem Jagdrecht, sagte Ebrecht, Gänseschäden seien aber nicht wildschadensersatzpflichtig.
Im Ausschuss sei deshalb der Vorschlag unterstützt worden, gegenüber Hannover auf eine Lösung nach dem Vorbild der Küstenregionen im Nordwesten Niedersachsens zu drängen. Zugleich machte Ebrecht deutlich, dass dies kurzfristig noch keine Entlastung garantiere. Ob und wann aus Hannover Unterstützung komme, sei offen. Die Überlegung, auf den Ausgleichs- und Ersatzfonds zurückzugreifen, habe die Verwaltung für Entschädigungszahlungen ausgeschlossen. Möglich seien daraus demnach lediglich Maßnahmen zur Habitatverbesserung und zum Schutz der Gänse.
Zustimmung im Kreistag, Druck auf das Land
Ebrecht erklärte, das lasse „einen gewissen Beigeschmack“ zurück. Der Landkreis nehme die Haltung des Landes zunächst zur Kenntnis, könne sich aber auf Dauer nicht darauf beschränken, nach Hannover zu verweisen. Wenn sich dort nichts bewege, werde man sich künftig selbst damit befassen müssen, wie Betroffenen geholfen werden könne.
Am Rednerpult signalisierten sowohl Sebastian Penno für die SPD als auch Norbert Nissen für Bündnis 90/Die Grünen Zustimmung zu dem Vorschlag. Am Ende wurde der Beschluss einstimmig gefasst.
Damit setzt der Landkreis zunächst auf politischen Druck in Richtung Land Niedersachsen. Ziel ist es, für betroffene Flächen im Bereich des „Leinepolders“ und möglicherweise darüber hinaus eine Grundlage für finanzielle Hilfen zu schaffen.
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