Einbeck (red). Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden sie hinter Grenzen, Akten und Gerüchten: Rund ein Dutzend Grand-Prix-Rennwagen der Auto Union, bekannt als legendäre Silberpfeile mit V16- und V12-Motoren, gingen als Reparationsleistung in die Sowjetunion. Über Jahrzehnte galten die Fahrzeuge als verschollen, ihre Spuren verloren sich im Dickicht der Nachkriegszeit.
Rennwagen im Schatten der Geschichte
Doch die Geschichte endete nicht mit dem Jahr 1945. Zwischen 1950 und 1952 entstanden in Chemnitz, dem damaligen Karl-Marx-Stadt, zwei weitere Monoposti mit V12-Motoren. Sie wurden mit technischem Wissen aus dem Umfeld der Auto Union im sowjetischen Auftrag gebaut. Auch diese Fahrzeuge wurden nach Moskau verbracht und gerieten später in Vergessenheit.
Der Awtowelo 650 und seine wahre Identität
Einer dieser Nachkriegsrennwagen tauchte Jahrzehnte später überraschend im Vereinigten Königreich wieder auf. In Donington wurde das Fahrzeug lange Zeit als vermeintlicher „Auto Union Typ E“ ausgestellt. Erst detaillierte Untersuchungen brachten Klarheit: Tatsächlich handelte es sich um den Awtowelo Typ 650, auch bekannt unter dem Namen „Sokol“.
Forschung zwischen Mythos und Belegen
Heute befinden sich mehrere wiederentdeckte oder rekonstruierte Auto-Union-Rennwagen, darunter Typ C und Typ D sowie Nachbauten, in europäischen Sammlungen und Museen. Die Wege dieser Fahrzeuge erzählen von Demontage, Verschleppung, Irrtümern im Sammlermarkt und jahrelanger Recherchearbeit.
Über diese Zusammenhänge spricht Eberhard Kittler am Freitag, 6. März, um 19 Uhr in der PS.Halle bei den FörderFreunden PS.SPEICHER. Der vielfache Buchautor war unter anderem stellvertretender Chefredakteur von OLDTIMER-MARKT und mot, schrieb für auto motor und sport und leitete später das Volkswagen AutoMuseum. Er kennt sowohl die historischen Hintergründe als auch einige beteiligte Akteure aus eigener Erfahrung.
Der Vortrag widmet sich der Frage, was historisch belegt ist und was über Jahrzehnte lediglich überliefert wurde. Zudem geht es darum, wie sich Fahrzeugidentitäten nachweisen lassen und warum manche Objekte erst nach Generationen wieder auftauchen.
Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. FörderFreunde besuchen die Veranstaltung kostenfrei. Spontane Besucherinnen und Besucher sind willkommen, eine Platzgarantie besteht jedoch nicht. Aufgrund begrenzter Plätze wird der Vorverkauf im PS.SPEICHER oder online unter https://www.ps-speicher.de empfohlen.
Foto: Eberhard Kittler / PS.SPEICHER