Einbeck (red). Berührend und bewegend, emotional und ergreifend – nach den letzten Worten dauert es bis zum Applaus einen Moment, so intensiv haben Deborah Bühlmann und Samuel Jersak ihr Publikum im vollbesetzten Kirchenraum der Baptistengemeinde in Einbeck gerade 75 Minuten lang an einem Gespräch zwischen zwei Verliebten teilhaben lassen. Dann aber setzt der Applaus ein, erst zaghaft, bald intensiver, schließlich will der Beifall kaum enden. Das bekannte „Von guten Mächten“ hat für das musikalische Schauspiel über die Liebe von Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer einen anrührenden Abschluss bedeutet. Der Abend war eine Kooperation zwischen dem Förderverein Alte Synagoge und der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Einbeck. Ein Abend, der in besonderer Weise nachklingt.
Schauspielerin Deborah Bühlmann als Maria von Wedemeyer und Samuel Jersak am Flügel als Dietrich Bonhoeffer spielen ein Gespräch mit Nähe und vor allem räumlicher Distanz zwischen den beiden Verliebten und Verlobten, zugleich handelt das von Deborah Bühlmann geschriebene emphatische und sehr emotionale Theaterstück von einer kreativen Auseinandersetzung mit der Theologie und Ethik des 1945 von den Nazis ermordeten Hitler-Gegners Dietrich Bonhoeffer. Im Zusammenspiel aus Text und Musik ist mit „Tragik einer Liebe“ ein Zeitzeugnis entstanden, das anrührend und beklemmend die Liebe zweier Menschen schildert und parallel eine Auseinandersetzung mit theologisch-ethischen Fragestellungen Bonhoeffers sucht.
„Bonhoeffer – Tragik einer Liebe“ erzählt berührend und aufwühlend die Geschichte zwischen dem bekannten, inhaftierten Theologen und seiner 18 Jahre jüngeren Verlobten, wie sie sich in den Jahren des Zweiten Weltkriegs hätte abspielen können. Das Musiktheater setzt sich aus den „Brautbriefen“ sowie anderen Texten vor allem von Dietrich Bonhoeffer und aus fiktiven Teilen zusammen. Es wird durch das Zusammenwirken von Schauspiel, Musik, Sprache und Zitaten zu einem ergreifenden und emotionalen Gesamtkunstwerk. Wo heute binnen Minuten auf dem Handy eine Antwort erwartet wird und Zeit und Entfernung kaum eine Rolle spielen, musste man 1945 wochenlang auf einen Brief warten, die Zeit war gefüllt mit Bangen, Hoffen und Sehnen. „Vielen Dank für die hohe Schauspielkunst und die faszinierende Musik“, dankte Gemeindeleiterin Claudia Taufall im Namen der Veranstalter dem in der Schweiz und Berlin lebenden Duo.

Fotos: Förderverein Alte Synagoge / Frank Bertram