Einbeck (red). Mit tosendem Applaus, vielen Umarmungen sowie stolzen Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften ging am vergangenen Donnerstag ein neues Projekt der IGS Einbeck erstmals erfolgreich auf die Bühne: Das TheaterAtelier feierte seine erste Aufführung. Mehr als 500 Gäste verfolgten gespannt das Theaterstück „Ruf der Tiefe“, das im Rahmen eines neuen Projektunterrichts in diesem Schuljahr entstanden war.
„Am Anfang hatten wir überhaupt keine Ahnung, wie wir ein ganzes Theaterstück auf die Beine stellen sollen“, erinnert sich eine Schülerin des 9. Jahrgangs. „Die Lehrer hatten uns nur das Thema ‚Wasser‘ gegeben und damit konnten wir erst wenig anfangen. Irgendwann haben wir gemerkt, dass jede Gruppe ihren Teil beiträgt und dass daraus nach und nach wirklich etwas Großes entsteht.“
Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung
Im Laufe eines ganzen Schuljahres übernahmen die Schülerinnen und Schüler nahezu alle Aufgaben des Theaterabends selbst. Sie entwickelten die Geschichte, schrieben die Texte, entwarfen Kostüme, bauten Kulissen, planten die Technik und gestalteten die musikalischen Beiträge.
Im Hintergrund organisierte ein Lehrerteam aus fünf Lehrkräften die Rahmenbedingungen. Es wurden Fördergelder beantragt, Materialien beschafft und Termine mit externen Experten vereinbart. Harm Bremeyer unterstützte die Schauspielgruppe mit seiner Expertise, während Alexander Hentschel sein Wissen über Licht- und Tontechnik zur Verfügung stellte.
Inspiration aus Wolfsburg
Bevor das Projekt an der Schule starten konnte, investierte das Lehrerteam viel Zeit in die Entwicklung des pädagogischen Konzepts. Dazu besuchten die Lehrkräfte die „Neue Schule Wolfsburg“, um sich von einem dortigen Kulturprojekt inspirieren zu lassen.
„Wir waren dort so beeindruckt von dem Arbeiten der Schülerinnen und Schüler und so wurde im Auto auf der Rückfahrt von Wolfsburg wild geplant. Als wir in Einbeck ankamen, stand unsere eigene Idee und der grobe Plan“, erinnert sich Theresa Lücking, Fachbereichsleiterin Musisch-Kulturelle Bildung an der IGS Einbeck.
Unterstützung erhielt das Projekt nicht nur aus der Schulgemeinschaft, sondern auch von Förderern wie der Jugendstiftung des Landkreises Northeim, der AKB Stiftung, dem Lions Club Einbeck sowie dem Förderverein der IGS Einbeck.
Blick hinter die Kulissen
Wichtig war den Lehrkräften, dass die Schülerinnen und Schüler zunächst die Theaterwelt kennenlernen konnten. Besonders eindrucksvoll war dabei der Blick hinter die Kulissen des Deutschen Theaters Göttingen zu Beginn des Schuljahres. Die Gruppe erhielt Einblicke in den Bühnenbau, die Nähstube und die Malwerkstatt.
Anschließend wurde in vier Arbeitsgruppen jeden Donnerstag drei Schulstunden am Stück gearbeitet. Es wurde gehämmert, gesägt, gemalt, geschrieben, musiziert, Text gelernt und geprobt. Viele Schülerinnen und Schüler investierten darüber hinaus zusätzliche Zeit außerhalb des Unterrichts, um ihre Ideen umzusetzen.
Piratenabenteuer mit Botschaft
Im Laufe des ersten Halbjahres entstand eine spannende Piratengeschichte. Zwei Mannschaften sind auf der Suche nach einem besonderen Schatz. Auf ihrer Reise begegnen sie Herausforderungen und Konflikten sowie einer magischen Unterwasserwelt, die ihre Sicht auf die Welt nachhaltig verändert.
Dabei behandelt „Ruf der Tiefe“ Themen wie Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und den verantwortungsvollen Umgang mit den Schätzen der Erde.
Neben dem Schauspiel sorgten zahlreiche musikalische Beiträge für besondere Momente. Eine Body-Percussion-Version des Seemannslieds „Wellerman“, eine gefeierte Rhythmusnummer mit Pömpeln sowie ein albanisches Lied zählten zu den Höhepunkten der Aufführung.
Großer Erfolg und Fortsetzung geplant
Vor voll besetzten Reihen überzeugten die Jugendlichen mit Spielfreude, Witz und großem Engagement. Besonders ungeplante Momente sorgten immer wieder für herzhaftes Lachen und verliehen dem Abend eine besondere Authentizität.
Auch für die Lehrkräfte war die Aufführung der Höhepunkt eines außergewöhnlichen Schuljahres. „Dieses Projekt war das bisher Spannendste, was ich als Lehrerin begleiten durfte“, fasst Theresa Lücking das TheaterAtelier zusammen. „Zu sehen, wie ernst die Schülerinnen und Schüler am Ende diese Aufgabe angegangen sind, diese Konzentration auf der Bühne, das macht uns unglaublich stolz auf die ganze Gruppe.“
Mit lang anhaltendem Applaus wurde ein Projekt belohnt, das weit mehr war als eine Theateraufführung. Es war ein gemeinsames Abenteuer, bei dem die Jugendlichen Kreativität, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit unter Beweis stellten.
Und was sagen die Schülerinnen und Schüler zu diesem Unterrichtsformat? „Ich würde das sofort wieder machen. Das war das Beste überhaupt!“
Das TheaterAtelier der IGS Einbeck wird auch im kommenden Schuljahr fortgeführt. Dann übernimmt der Blaue Jahrgang das Ruder und begibt sich auf seine eigene Reise in bislang unbekannte Gewässer.
Foto: IGS Einbeck