Donnerstag, 20. September 2018 10:27 Uhr

Nach EuGH-Urteil: KWS investiert weiter in Präzisionszüchtung

Die KWS Mitarbeiter John Gierer (links) and Marianne Leano beurteilen das Wachstum von Maispflanzen im Gewächshaus am KWS Forschungsstandort in St. Louis (US-Staat Missouri). Die Photosynthese-Effizienz der Pflanzen wurde mithilfe der Präzisionszüchtung CRISPR gesteigert

Einbeck (r). KWS investiert auch nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu neuen Methoden in der Pflanzenzüchtung unvermindert in diese Verfahren. „Die vielfach unter dem Stichwort CRISPR zusammengefassten neuen Möglichkeiten der gezielten Mutagenese erlauben es uns Züchtern, den Landwirten schneller als bisher besser angepasste Sorten anzubieten“, sagte das für Forschung zuständige KWS Vorstandsmitglied Léon Broers in Einbeck.

„Die Dürre in diesem Sommer hat uns deutlich gezeigt, dass sich die Landwirtschaft rasch an veränderte Bedingungen wie den Klimawandel anpassen muss“, ergänzte Broers. „Die neuen und hochpräzisen Züchtungsmethoden sind eine großartige Möglichkeit, um Pflanzen schneller widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlingen zu machen. Zudem lassen sich Ressourcen schonen, indem Pflanzen zum Beispiel weniger Wasser und Dünger benötigen. Das alles gilt nicht nur für konventionelle Sorten, sondern auch für den ökologischen Landbau.“

Der Europäische Gerichtshof hatte im Juli eine viel beachtete Entscheidung getroffen. Auch Pflanzen, die mithilfe der gezielten Mutagenese gezüchtet werden und sich nicht von konventionellen Sorten unterscheiden, unterliegen demnach in der EU den strengen Zulassungsanforderungen des Gentechnikrechts. Das bedeutet hohe regulatorische und finanzielle Hürden für die Zulassung CRISPR-gezüchteter Pflanzen in den 28 Mitgliedstaaten der EU.

Die US-Behörden hingegen hatten im Frühjahr klargestellt, dass Präzisionszüchtung, die zu Pflanzen führt, die im Ergebnis der klassischen Züchtung entsprechen, in den USA nicht reguliert werden. Ähnliche Empfehlungen zugunsten einer differenzierten Bewertung haben auch Behörden in anderen Ländern ausgesprochen.

„Die Aussichten für diese vielversprechende Technologie für Europa sind nach dem Urteil eher trübe. Andere Länder beurteilen die neuen Methoden der präzisen Pflanzenzüchtung hingegen anhand ihrer großen Chancen für die Zukunft einer nachhaltigeren Landwirtschaft. Global gesehen gibt es eine große Akzeptanz für die neuen Möglichkeiten. Ich erwarte künftig wissenschaftliche Erkenntnisse in der Pflanzenforschung und -züchtung eher aus Regionen, in denen es geringere Hürden für CRISPR gibt. Dies wird auch Einfluss auf die Entscheidung junger Wissenschaftler für ihren Arbeitsort haben. Es ist für KWS folgerichtig, dass wir uns auf Märkte und Pflanzenarten für solche Regionen konzentrieren“, sagte Broers.

„Wir werden unsere CRISPR-Aktivitäten also nicht zurückfahren, sondern lediglich einzelne Aspekte unserer Forschung anpassen – entsprechende Pläne entwickeln wir derzeit.“ KWS arbeitet an ihrem Hauptsitz in Einbeck sowie an ihrem Forschungsstandort in St. Louis (US-Bundesstaat Missouri) mit jeweils rund 25 Forschern an Projekten zur Präzisionszüchtung.

Zu den Züchtungszielen von KWS zählen unter anderem mehr Ertrag, Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge sowie eine bessere Nährstoffeffizienz. „Fragen zur Nachhaltigkeit und Zukunft der Landwirtschaft lassen sich so wesentlich gezielter angehen. Der Europäische Gerichtshof hat mit seinem Urteil den Ball an die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten zurückgespielt. Diese müssen nun entscheiden, ob sie Innovationskraft in der EU erhalten und die Landwirtschaft mithilfe innovativer Pflanzenzüchtung nachhaltiger gestalten wollen“, sagte Broers.

Hintergrund
Die Präzisionszüchtung führt nach der unveränderten Überzeugung von KWS schneller als bisher zu Pflanzen, wie sie auch auf herkömmlichem Wege hätten entstehen können. Dabei ist eine differenzierte Betrachtung der Einsatzmöglichkeiten von CRISPR nötig: Wenn CRIPSR in Form der gezielten Mutagenese eingesetzt wird, unterscheiden sich die daraus entstehenden Pflanzen nicht von konventionell gezüchteten Pflanzen. Sie enthalten keine artfremden Gene. Wenn dagegen mithilfe von CRISPR neue, artfremde Gen-Sequenzen in eine Pflanze eingefügt werden, entspricht dies nach Auffassung von KWS klar der klassischen Gentechnik, und die daraus entstehenden Pflanzen sind in der EU reguliert.

Weitere Informationen von KWS zum Thema: https://www.kws.de/innovation/zukunft/.

Fotos: KWS

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