Northeim (awin). Der Kreistag Northeim hat am 17. April einstimmig Maßnahmen zum Umgang mit der wachsenden Biberpopulation beschlossen. Grundlage war ein Antrag der Kreistagsgruppe CDU/FDP/Die Unabhängigen, der bereits am 13. März zur weiteren Beratung in den Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz überwiesen worden war (wir berichteten). Ziel ist es, Naturschutz und landwirtschaftliche Nutzung in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen.
Im Fokus der Beratungen stand die zunehmende Ausbreitung des streng geschützten Europäischen Bibers und die daraus entstehenden Nutzungskonflikte. Einigkeit bestand fraktionsübergreifend darüber, dass die Entwicklung begleitet werden müsse – allerdings mit klaren Regelungen.
Einigkeit über Vorgehen – unterschiedliche Akzente
CDU-Kreistagsabgeordneter Dirk Ebrecht machte deutlich, die Ausbreitung des Bibers sei grundsätzlich positiv zu bewerten, müsse jedoch gesteuert werden. Die Beratungen im Fachausschuss seien „in der Sache auch unstrittig“ gewesen. Ergänzend zur Verwaltungsvorlage habe der Ausschuss beschlossen, einen Biberbeauftragten zu berufen und verstärkt Ausgleichs- und Ersatzgelder einzusetzen. Die konkrete Umsetzung – etwa durch Landkäufe oder Vertragsnaturschutz – müsse nun gemeinsam mit Verwaltung, Fachleuten und Betroffenen erfolgen. Ebrecht sprach von einer „zielgerichteten Zusammenarbeit“.
Maik Schmitz (AfD) warnte vor zunehmenden Belastungen für Landwirtschaft und Infrastruktur. Es dürfe nicht abgewartet werden, „bis das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Er forderte ein aktives Bibermanagement sowie unbürokratische Entschädigungen. Der Naturschutz dürfe nicht „gegen die Menschen und die wachsende Kulturlandschaft ausgespielt werden“.
Norbert Nissen (Bündnis 90/Die Grünen) betonte hingegen die ökologischen Vorteile der Rückkehr des Bibers. Die Art trage zur Aufwertung von Gewässern bei, Probleme seien aus seiner Sicht „beherrschbar“. Im Ausschuss habe Einigkeit darüber bestanden, kurzfristige Ausgleichsmöglichkeiten zu schaffen und langfristig geeignete Flächen zu sichern. Auch die Ernennung eines Biberbeauftragten sei auf breite Zustimmung gestoßen.
FDP-Kreistagsabgeordneter Dr. Christian Eberl verwies auf künftige finanzielle Folgen. Die Hauptlast der Biber-Rückkehr würden voraussichtlich die Unterhaltungsverbände tragen, deren Kosten letztlich von Kommunen und Bürgern finanziert würden. Die aktuelle Entscheidung könne daher nur ein erster Schritt sein.
Beschluss setzt Rahmen für weiteres Vorgehen
Der Kreistag beauftragte die Landrätin, beim Land Niedersachsen eine verlässliche finanzielle Unterstützung für betroffene Landnutzer einzufordern. Vorgesehen sind unter anderem Billigkeitsleistungen nach dem Vorbild des Wolfsmanagements sowie die Förderung präventiver Maßnahmen, etwa zur Wasserstandsregulierung oder zum Schutz landwirtschaftlicher Flächen.
Zudem wurde beschlossen, einen Biberbeauftragten einzusetzen. Diese Funktion übernimmt bis 14. Mai 2027 Ralf Sepan, der bereits als Kreisnaturschutzbeauftragter tätig ist. Darüber hinaus sollen künftig verstärkt Ersatzgelder für Maßnahmen des Biberschutzes genutzt werden.
Der Beschluss wurde einstimmig in geänderter Fassung verabschiedet und bildet die Grundlage für ein strukturiertes Bibermanagement im Landkreis Northeim.
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